Sparpolitik und Lehrermangel

Zweitausend Pädagogen standen noch vor zwei Jahren auf der Straße, heute gibt es einen Lehrermangel. Stellen können nicht besetzt werden, Stunden fallen aus, Eltern machen sich Sorgen wegen der Ausbildung ihrer Kinder. Junge Lehrer, die in den Beruf einsteigen wollen, werden hingehalten mit Befristungen und demütigenden Arbeitsbedingungen. Es fehlt am Respekt für jene, die unsere Kinder und Jugendlichen auf das Leben vorbereiten sollen.

Ein Junglehrer schildert die Situation:

Eine, für mich, unfassbare Tatsache in Bayern Situationsbeschreibung Nach erfolgreichem Abitur werden wir junge Menschen für ein Lehramtsstudium zugelassen. Wir schließen dieses Studium erfolgreich ab; werden Referendar_innen im Beamtenverhältnis auf Widerruf. Während des Referendariats müssen wir sehr flexibel sein und unser Können unter Beweis stellen; wir erfüllen diese Anforderung, auch verbunden mit einem Wohnortswechsel. Bei Schuljahresende werden wir ausgestellt und sind dann arbeitslos. Wir müssen uns bei der Arbeitsagentur rechtzeitig melden, um Arbeitslosenunterstützung zu bekommen. Und dann? Weniger als 10% von uns, um die 30 Jahre alt, bekommen in Bayern eine entsprechende Planstelle. Die Anderen stehen auf der Straße, obwohl ihre Tätigkeit dringend benötigt wird.

Arbeitslosigkeit statt Ferien Wir Junglehrer_innen bekommen, mit den wenigen Ausnahmen, nur befristete Jahresverträge. Wir müssen uns jährlich bei der Arbeitsagentur vorsorglich arbeitslos melden; ab Mai müssen wir uns für den Schuldienst neu bewerben. Statt auch Ferien zu haben, wie andere Lehre, müssen wir auf Angebote, verbunden mit Bewerbungsgesprächen in ganz Bayern, warten und hoffen irgendwo arbeiten zu dürfen. Wir müssen nach dem Referendariat die Krankenkasse wechseln, weil der Beamtenstatus entfällt und vieles andere neu organisieren. Wir müssen jährlich unsere Wohnung kündigen und eine neue suchen, was sehr schwierig ist. Alles hat auf eigene Kosten zu erfolgen! Das Problem, Fuß zu fassen in der bürgerlichen Welt Durch den jährlichen Arbeitsplatz- und Wohnungswechsel können wir jungen Lehrer weder eine Existenz aufbauen noch eine Familie gründen. Wir können uns auch nicht ehrenamtlich in Vereinen oder in der Politik engagieren, weil wir nicht wissen ob und wo wir im nächsten Schuljahr tätig sein können. Wir bekommen unsere Bausparguthaben ausbezahlt, weil der Erwerb einer Wohnung, wie ursprünglich geplant, nicht möglich ist. Wir erhalten ohne feste Arbeit auch keinen Finanzierungskredit. Die Benachteiligungen lassen sich fortsetzen . . .

Kein Respekt für Junglehrer Obwohl wir für die Gesellschaft und für deren Zukunft von großer Bedeutung sind, werden wir schlechter als z.B. jeder Leiharbeiterin behandelt. Jeder halbwegs normale Mensch weiß, dass Lehrerinnen großen Einfluss auf Erziehung und Bildung von Kindern haben. Lehrerinnen sind Menschenfreunde, klug, gebildet, sozial, engagiert, flexibel u.a.m. Meines Erachtens ist es ein ganz großer Skandal, dass wir dermaßen diskriminiert werden. Besonders schlimm finde ich auch, dass die gegebene Situation kaum bekannt ist. Ich habe den Eindruck, dass bei Schilderung dieser Tatsache viele, auch die politisch Verantwortlichen, denken, das kann doch nicht stimmen!!! Es stimmt aber ohne Abstriche! Wie sollen wir beweisen, dass wir gute Leistungen erbringen können?

Forderung: Ein berechenbares Leben für Junglehrer Die Bayerische Staatsregierung muss diese Ausbeutung von uns Jung- Lehrerinnen stoppen. Auch im eigenen Interesse. Angesichts der Mehreinnahmen von vielen Milliarden Euro müssen dringend Planstellen für Lehrerinnen geschaffen werden. Jung-Lehrer_innen in einem Beamtenverhältnis können durchaus versetzt werden; das akzeptieren wir auch, aber vor dem Hintergrund einer sicheren Existenz die Zukunftsplanung ermöglicht. Gebt unserer Generation eine Chance auf existenzielle Sicherheit und gesellschaftliches Engagement!